Pilgerbericht 1. Etappe Mitteldeutschland 2017

PILGERBERICHT der 1. Etappe am 1.April 2017 von KAMENZ nach KÖNIGSBRÜCK

Schon zeitig 6Uhr50 trafen wir uns am Leipziger Hbf. zur Fahrt nach Kamenz. Ein verheißungsvoller sonniger Frühlingstag erwartete uns. Nach der langen Winterzeit erfreuten wir uns schon auf der Fahrt an den herrlich weißen Blütenbäumen und am Grün der Felder und Wälder.

Nach längerem Aufenthalt in Dresden ging die Reise weiter über Radeberg, Großröhrsdorf und Pulsnitz bis Kamenz. Genau 10 Uhr kamen wir in der katholisch en Kirche St. Maria Magdalena an. Pfarrer Börner hielt für uns die erste Morgenandacht in diesem besonderen Jahr des Gedenkens an die Reformation vor 500 Jahren. Christus ist die Heimat und der Weg. Er schenkt uns Aufbruch zu neuem Leben. Die Schöpfung ist uns geschenkt als ein Ort des Lebens.
Nachdem wir das schöne Lied "Mein schönste Zier und Kleinod bist, auf Erden du Herr Jesu Christ..."gesungen haben, erzählte Pfarrer Börner etwas über die Kirche, die das Zentrum des an die Stadt Kamenz angrenzenden und 1902 eingemeindeten Dorfes Spittel war.1842 wurde sie bei einem Stadtbrand vernichteten nach altem Vorbild und im Auftrag des Klosters Marienstern wieder aufgebaut und 1844 eingeweiht.
Nun blies Dagmar zum Aufbruch, nicht ohne noch vor dem schönen Tor dieser Kirche ein gemeinsames Foto aller ca.32 Pilgerfreunde zu schießen. Jetzt ging es zum Lessingplatz.1729 wurde Lessing in Kamenz geboren. Sein Vater war hier viele Jahre Pastor in der Stadtkirche St. Marien. Lessings Geburtshaus wurde während eines Stadtbrandes komplett zerstört, deshalb baute man auf dem heutigen Lessingplatz das Lessingmuseum. Gegenüber, am Rande der Altstadt, steht die Klosterkirche St. Annen mit 5 spätgotischen Schnitzaltären.
Durch seine Lage an der königlichen Handelsstraße Via Regina und die Zugehörigkeit zum Oberlausitzer Sechsstädtebund erlangte Kamenz im Mittelalter Unabhängigkeit und Wohlstand.
Unser nächstes Ziel war der 294m hohe Hutberg. Hier wurden wir von Herrn Müller freudig empfangen. Er schwärmte von dem schönsten, wenn auch nicht höchsten Berg des Lausitzer Berglandes. Vom 1864 eingeweihten 18m( plus 6m Neuaufbau )hohen Turm hat man eine herrliche Aussicht auf die 100m tiefer liegende Stadt und Umgebung. Der Hutberg lädt mit seinem weiträumigen Park zu Spaziergängen im Grünen ein. Das im 19.Jh.von Wilhelm Weiße gestaltete Areal bezaubert mit einer Vielfalt von Koniferen, schönen Rhododendren und Azaleen, die die Anlage jedes Jahr im Mai in ein Blütenmeer verwandeln.
In der kleinen Herberge neben dem Turm können Pilger übernachten, bis zu 150Personen/Jahr haben dies schon genutzt.
Genauso schnell wie hoch, stiegen wir den Hutberg wieder hinab und schauten in die offenen Fernen der Westlausitz mit Hügeln und Dörfchen. Der Pilgerweg führt auf der "Alten Poststraße" entlang durch frisches Grün der Felder. Kurz vor dem Ortseingang von Schwosdorf hielt Dagmar mit uns ein Mittagsgebet im Wald. Nun liefen wir durch den kleinen Ort und fast am Ortsausgang kamen wir zu einem roten Haus mit schönem Naturzaun und blühenden Pflanzen. Einige Pilger kannten das Wal-und Wüsteberghaus schon von der Pilgertour 2008. Die Sitzgelegenheiten vor dem Haus luden zur Mittagspause im Sonnenschein ein. Wir hörten dabei von der Herbergsmutter Claudia Zickler, dass der Name Wal-und Wüsteberg von den umgebenden Berghügeln stammt. 2004 erwarb der Pro Wal-und Wüsteberg e.V. das Haus und begann mit der Sanierung. Der Verein gründete sich, um gegen den Gesteinsabbau des Wal-und Wüsteberges zu protestieren. Heute ist das Haus auch Herberge für Pilger. Auf dem Dachboden können bis zu 18 Gäste auf Matratzen übernachten. Seit 2009 ist eine moderne Dusche eingebaut.
Nachdem wir die Räume bestaunt hatten und uns mit einem Lied bedankten, machten wir uns wieder auf den Weg. Diesmal ging es bis Reichenau ausschließlich durch Wald. Veilchen, große Teppiche von weißen Buschwindröschen und gelbem Scharbockskraut säumten unseren Weg.
Das "Heimathaus Reichenau" liegt direkt an der Pulsnitz, die im hellen Sonnenschein glitzerte. Es wurde als Armenhaus im Jahre 1845 gebaut als Unterkunft für 2 bedürftige Familien. Ab 2001 stand das "Armenhaus" leer und drohte zu zerfallen. Nach umfangreicher Arbeit und mit Fördermitteln wurde aus dem ehemaligen Armenhaus das gemütliche Heimathaus-eine Begegnungsstätte Reichenaus und zugleich Herberge für Gäste.
Von Reichenau auf der "Hohen Straße" waren es noch etwa 5km bis zur Kirche Königsbrück. Auf unserem Schweigemarsch grüßte uns aus der Ferne der Fernsehturm des Keulenberges. Er ist mit 413m eine markante Erhebung im Lausitzer Bergland, der Wächter der Westlausitz.
Endlich, auf dem Marktplatz von KÖNIGSBRÜCK angekommen, stürmten wir gleich den Eisladen. Dann ging es zur evangelischen Stadtkirche. Ein kurzer Blick ins nebenan liegende Schloß verwies auf die Kamelienschau, die seit dem Jahre2000 eine unerwartete Resonanz hervorruft. Königsbrück besitzt als einziger Standort in Deutschland die Kamelienschau mit 3 Generationen.
Die Abendandacht mit Herrn Lindner beendeten wir mit dem schönen Zinsendorflied "Jesu geh voran...". Anschließend erzählte er, dass KÖNIGSBRÜCK an der Via regia, der Hohen Straße zwischen Kiew und Santiago de Compostela, entstanden ist-die große Ost-West-Magistrale Länder verbindend quer durch Europa. Der Grenzfluss Pulsnitz trennte damals die Markgrafschaft Meißen von der Oberlausitz, die dem Königreich Böhmen unterstand.
Erwähnen möchte ich noch, dass Herr Lindner die Initiative von Esther Zeiher geb. Heise sehr lobte. Ohne sie gebe es den ökumenischen Pilgerweg entlang der Via regia überhaupt nicht. Sie hat sich aufopfernd darum bemüht.
Den Berg hinauf, gelangten wir zum Bahnhof, wo es 18Uhr37 über Laußnitz, Ottendorf-Okrilla mit Umstieg in Dresden Neustadt nach Leipzig ging.
Ein schöner, langer, sonnenreicher Pilgertag ging zu Ende, diesmal mit nur 2 Kirchen, dafür 3 Pilgerherbergen!
Dank der Dagmar für die treffliche Führung!

Helga Seidel
P1650101