PILGERBERICHT 7. ETAPPE IN MITTELDEUTSCHLAND

Döbeln – Leisnig 7. Oktober 2017
Es ist nicht wirklich zu glauben: schon geht das Ökumenische Samstagspilgern in diesem Jahr zu Ende. Starteten wir nicht gerade an einem Frühlingstag in Kamenz?
Heute sollte es nun von Döbeln nach Leisnig gehen.
Wahrscheinlich aufgrund der Herbstferien und des schlechten Wetters der letzten Tage, hatten sich nur wenige Pilger angemeldet.
Aber wir anderen machten uns frohgemut, noch fast im Dunkeln auf den Weg zum Leipziger Hbf.
Dort herrschte ein kleines Zug-Chaos, aber nachdem erst extreme Verspätungen angesagt wurden, stand plötzlich ein Ersatzzug auf dem Nachbargleis bereit und brachte uns schnell nach Leisnig. Dort trafen wir auf unsere Mitpilger aus den anderen Orten und fuhren mit dem Bus nach Döbeln.
Vom Bahnhof ging es in wenigen Minuten zur Ev. Jacobikirche, die uns mit Glockengeläut begrüßte.
Drinnen erwartete uns ein ungewöhnlich eingerichteter Kirchenraum: Stühle standen verteilt im Raum und Fotos mit verschiedenen Alltagssituationen lagen auf dem Boden.
Pfarrer Behrisch begrüßte uns und erzählte aus der Geschichte der Stadt Döbeln und dieser Kirche aus dem 19. Jahrhundert, die heute vielfältig genutzt werden kann. Er verwies auch auf den angebauten Kindergarten, dessen Kinder auch immer wieder die Möglichkeiten des Kirchenraumes nutzen.
In seiner Andacht ging er auf die Geschichte von Mose ein, der kurz vor seinem Tod von Gott das gelobte Land gezeigt bekam, es aber selbst nicht mehr erreichte. Welches Ziel wollen wir erreichen, heute und auf unserm Lebensweg?
Mit dem Abrahamitischen Pilgersegen und der Einladung zu einem Wiedersehen in der Stadtkirche St. Nikolai entließ uns Pfarrer Behrisch auf unsere Etappe.
Schon nach wenigen Metern sahen wir das Erste Lutherweg „L“, dieses Wegzeichen begleitete uns den ganzen Tag.
Aus der Innenstadt hinaus führte unser Weg zur Mulde mit Ihren weiten Wiesen und alten Bäumen.
Leider fing es schon nach wenigen Minuten an zu regnen und ehe alle Ihre schützenden Capes angezogen hatten, hatte der Himmel seine Schleusen vollständig geöffnet und wir stapften durch den Regen weiter bis nach Technitz.
Zum Glück hatte Pf. Behrisch veranlasst, daß die Kirchentür für uns geöffnet war und wir waren froh einige Minuten im Trocknen Halt zu machen. Die Kirche war schlicht, aber durch die roten Vorhänge und die Beleuchtung in ein wärmendes Licht getaucht.

Pünktlich mit dem Mittagsläuten gingen wir wieder hinaus auf den Weg, noch ein ganzes Stück im Regen.
Am Zusammenfluss von Zschopau und Mulde hielten wir kurz an und erinnerten uns auch anhand der angebrachten Karte, daß wir vor einigen Jahren an der Zschopau pilgerten. Langsam horte der Regen auf und als wir den Ort Westewitz erreichten, konnten wir frisch gewaschene rotbäckige Äpfel von einer Wiese sammeln.
Kurz vor der Muldentalklause hielten wir Mittagsandacht und hörten die Geschichte vom ortsansässigen mutigen Ritter Georg, der seine Feinde bezwang und aus Dankbarkeit die Kapelle im nahen Nauhain errichtete. Zur Erinnerung hat der ehemalige Bürgermeister von Westewitz ein Mosaik in den Straßenbelag pflastern lassen.

In der Muldentalklause wurden wir herzlich begrüßt und innerhalb weniger Minuten konnten sich alle bei heißer Suppe, Kakao oder Tee wieder aufwärmen.
Die Ausflugsgaststätte wurde beim Hochwasser 2002 völlig zerstört und dann neu gebaut. Gern wären wir noch eine Weile da geblieben, aber der Weg zum Ziel war noch weit.

Über die Brücke ging es entlang des Flusses, bis zum Hochwehr von 1925, mit dessen Hilfe die Wasserströme etwas reguliert werden können.
Noch wenige Meter und dann führte der Lutherweg, vorbei an einigen freundlichen Kühen in den Wald, der dort Maylust heißt und im 19.Jh. von hiesigen Forstleuten, mit einem Wegenetz ausgestattet wurde.
Nach einer kurzen Rast ging es ziemlich bergauf, aber in Gemeinschaft wurde auch dieser Teil der Etappe bewältigt. Oben angekommen wehte ein frischer Herbstwind und lud zum Durchatmen ein. Die nächsten Schritte gingen wir schweigend und gedachten derer die heute nicht dabei sein konnten.
An der Kreuzung zum Kloster Buch erzählte uns Veronika Seidel von der guten ökumenischen Gemeinschaft beim Pilgertreffen auf Schloß Mansfeld.
Durch den Wald gelangten wir nach Paudritzsch, wo wir in den Naturlehrpfad Eichberggrund abbogen. Auf vielen Schautafeln wurden Natur und Landschaft erklärt, kleine Bäche die in Richtung Mulde fließen begleiteten unseren Weg und eine uns entgegenkommende Wandergruppe wurde fröhlich begrüßt.
Nach einer letzten Rast am Stadtrand von Leisnig, sahen wir schon Burg und Kirche vor uns und von nun an ging es langsam aber stetig bergauf. Froh waren wir als wir am Markt angekommen waren und somit unser Ziel an diesem Pilgertag und in diesem Jahr erreicht hatten.

Als besonderen Höhepunkt pilgerten wir zum Stadtgut, wo uns Herr Steude begrüßte und mit den Grundzügen der Leisniger Kasten-Ordnung, die von Martin Luther befürwortet wurde, vertraut machte. Außerdem enthält das Museum eine kleine Ausstellung zur Kirchenmusik in Leisnig.
Neben dem Pilgerstempel gab es noch die Pilgerurkunde für dieses Jahr, fast 130 km wurden von Kamenz nach Leisnig bewältigt.

Anschließend zogen wir in die ev. St. Matthäikirche ein, in der uns Superintendent Liebers persönlich begrüßte. Er berichtete sowohl aus der langen Geschichte der Stadt, aber auch im Besonderen zur Ausbreitung der Reformation im Leisniger Land und der Bedeutung der Leisniger Kastenordnung.
Nach der Abschlußandacht mit dem Lied „Der Tag mein Gott ist nun vergangen“ und dem Segen für uns alle, durften wir noch ein Faksimile der Kastenordnung betrachten.
Superintendent Liebers wünschte uns allen einen guten Weg uns so ging es die letzten Meter der Etappe bergab zum Bahnhof.
Dort trennten sich für dieses Jahr unsere Wege.
Wir freuen uns auf ein Wiedersehen so Gott will und wir leben.

Dagmar Schlegel Rackwitz 11. Oktober 2017