Pilgerbericht 6. Etappe Sangerhausen - Wallhausen

Die 6. Pilgertour am 3. 9. 2016

Unsere Pilgertour im September diesen Jahres führte von Sangerhausen über Oberröblingen, Martinsrieth und Brücken nach Wallhausen.
Das Gebiet befindet sich zwischen Südharz im Norden und Kyffhäuser im Süden.
Es gehört zum Grenzterritorium zwischen den Bundesländern Sachsen-Anhalt und Thüringen. Dominiert wird es von Sangerhausen und der Helme, einem Zufluss der Unstrut, im Bereich der Goldenen Aue. Markant treten noch heute die Abraumhalden des jahrhundertealten Kupferschieferbergbaus (Mansfeld/Sangerhausen) hervor. Der gesamte Raum war seit dem Hochmittelalter eine wichtige Verkehrsverbindung zwischen Leipzig/Halle und zentralen Orten des vormaligen fränkischen Reiches im Westen (u.a. Kassel oder Kaiserpfalz Goslar). In Sangerhausen selbst (Ersterwähnung 8. Jahrhundert) werden die Besucher vom Europa-Rosarium beeindruckt. Das dortige Spengler-Museum beherbergt das einzige komplette Skelett eines Steppenmammuts in Deutschland.

In diesem Raum haben wir uns am 3. September nach der Fahrt über Halle und Lutherstadt Eisleben bewegt.
Auf dem Weg zur evangelischen St. Jacobi-Marktkirche tangierten wir die Marienkirche und das Spenglermuseum. In der Marktkirche erlebten wir die Morgenandacht mit Pfarrer Müller, der mit uns Lieder von Paul Gerhardt sang und uns Besonderheiten der Kirche zeigte: den Muschelaltar, den Chorraum mit seinem reichen Netzgewölbe, wo im 3. Schlussstein ein Bild des Schutzheiligen der Kirche, Jacobus d. Ä., zu sehen ist, der auch als Schutzheiliger der Pilger bekannt ist, und die wunderbare Orgel, auf der später J. S. Bach gespielt hat.
Am Marktbrunnen informiert uns Dagmar über die Bedeutung von Sangerhausen.
Dann folgen wir dem historischen Straßenverlauf nach Oberröblingen. Der Weg führt parallel zur Autostraße und ist gleichzeitig Radweg. Das hohe Verkehrsaufkommen stresst. Eine Baumschule „entschädigt“ uns ein wenig.
Nach der Pause im Ort pilgern wir zur Helme, die sich hier verzweigt und einst Mühlen antrieb. Hier biegen wir von der Hauptstraße ab und gehen einen Wiesenweg am Fluss entlang. Dagmar macht uns auf Reste des ehemaligen Klosters Rohrbach aufmerksam, dass säkularisiert worden ist.
Dann schließt sich eine Schweigetour an, für die ich persönlich sehr dankbar bin.
Bald sind wir in Martinsrieth angekommen und werden von Frau Pfarrerin Roseli Arendt-Wolff in St. Martin empfangen. Wir erleben mit ihr ein zu Herzen gehendes Mittagsgebet. Nach der Andacht spricht der Gemeinde-Älteste, Herr Gerald Rüdiger, zu uns über die Kirche und die Gemeinde. Hier können wir auch unser Mittagsbrot verzehren und unsere Wasserflaschen auffüllen. Der kleine Ort Martinsrieth ist über 800 Jahre alt...

Dann geht es weiter über die Helme-Brücke nach der Gemeinde Brücken, wo die St. Aegidius-Kirche besonders sehenswert ist.
Wir haben noch einen Weg nach Wallhausen zu pilgern, wo wir mit kräftigen Glockenklängen in die evangelische Kirche St. Peter und Paul hineingezogen werden. Hier warten schon Gemeindemitglieder auf uns, mit denen wir unter Leitung von Frau Pfarrerin Arendt-Wolff einen sehr beeindruckenden Gottesdienst erleben.
Wir erfahren vom 1. Schöpfungstag aus dem 1. Buch Mose... Das unterstreicht die Bedeutung der Schöpfung für den Menschen.
Danach ergreift Dagmar das Wort, stellt sich und uns vor, spricht über den mitteldeutschen ökumenischen Samstag-Pilgerweg, und wir singen zum Abschluss unser Pilgerlied.

Die Sonne schien uns wärmend den ganzen Tag; die Wege waren geprägt von der offenen Landschaft und vom (nicht nur „nützlichen“) Einfluss der Menschen.

Annemarie Bräuer, Leipzig